digitaler widerstand

geschichtswissenschaft aus hannover

Noch hungriger … Von wegen digital natives … 16. September 2015

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 20:20

Wieder Hochschulinformationstage, vier Vorträge vor ca. 180 interessierten Schülern, von denen übrigens kaum noch welche Lehrer werden wollen. Und wieder die Standardfrage nach dem Medieneinsatz im Geschichtsunterricht. Ja, Folien werden aufgelegt … Mehr nicht, wirklich, mehr nicht, das war es!! Da wartet eine wunderbare Welt des Wissens, des Lernens, des Entdeckens auf unsere jungen Schüler und die Lehrer verwehren sie ihnen. Ja, das ist eine schwierige Welt und sie braucht ihre Zeit. Aber bitte, dann lasst sie ihnen. Gebt ihnen die Chance, diese Welt kennen zu lernen. Jetzt. Bitte.

 

Verhungern vor vollen Tellern? 18. Dezember 2014

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 11:42

# sie verhungern vor dem vollen Teller

Immer wenn bestimmte Begriffe gern verwendet werden, beschleicht mich ein eigenartiges Gefühl: Wird da vielleicht etwas beschrieben, was in Wirklichkeit nicht vorhanden, sondern abwesend ist? Etwa bei dem Begriff „Kompetenz“. Ach, was werden da nicht alles für Kompetenzen vermittelt oder erworben, meist noch in einer sehr kurzen, definierbaren Zeit? Kompetenz steht allerdings selten allein, sondern sie hat einen Kompagnon, wie die beliebte Medienkompetenz. Von ihrer Existenz bzw. Nicht-Existenz ist seit Jahren landauf, landab die Rede. Damit verdienen auch nicht wenige Leute ihr Geld. Aber was wird dafür eigentlich geboten? Wenn ich mir die vorhandene Praxis ansehe, dann eigentlich nur eines: Ein vorgebliche Kritikfähigkeit gegenüber neuen Medien; sie scheinen hochgefährlich zu sein. Dann wird noch teilweise über „digital Natives“ geschwätzt, so als sei jemand, der mit dem Smartphone in der Hand in die erste Klasse gegangen ist und diesen wunderbaren Augenblick per Facebook verbreitet hat, schon per Se ein Kundiger gegenüber uns Älteren, die wir das Internet erst im 30. oder 40. Jahr unseres Lebens kennen und nutzen und schätzen gelernt haben; tollpatschige Blödiane, die von nichts eine Ahnung haben. Zugegeben, einige benehmen sich genauso. Aber die „Eingeborenen“? Die tapern auch mehr oder weniger unbeholfen durch diese digitale Welt. Sie kennen lediglich halbwegs ihre digitalen Spielplätze, auf denen sie sich austoben, wobei sie sich böse verletzen können, was dann immer wieder einen Aufschrei über diese gefährliche digitale Welt zur Folge hat. Eben, wir brauchen mehr Medienkompetenz, heißt es dann. Dass zum Lernen auch der Misserfolg, auch der zuweilen schmerzhafte gehört, ist in unserer glatten Erfolgs-Bildungswelt ja mittlerweile so systematisch verdrängt worden, dass es keinem mehr auffällt, wie sehr Lernen auch den Misserfolg braucht. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben.
Ich will davon schreiben, wie verdammt wenig unsere Schüler von der wunderbaren (und nein, das ist nicht ironisch gemeint) Welt des Internets mitbekommen, wenn wir es auf „soziale Medien“, die Wikipedia (nichts gegen sie, aber das ist eine andere Sache) und eine banale Google-Suche reduzieren (wobei eine Google-Suche schon alles andere als banal ist), wie es manche inkompetenten Medienkompetenzvertreter so gern behaupten oder zumindest nahelegen. Was bei einer solchen Haltung heraus kommt, dass konnte ich dieser Tage erst im Seminar erleben.
Dass das Internet Teil einer sich dramatisch beschleunigenden Wissensgesellschaft ist, dass es alte Zugangsschranken zu Wissen und Forschung niederreißt, und zwar sowohl formale (wer ging früher schon in eine wissenschaftliche Bibliothek oder ein Archiv?, wer hatte Zugang zu den Forschungsdebatten?) wie nationale, gerät bei dieser ganzen inkompetenten Medienkompetenzdebatte regelmäßig unter die Räder.
Und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn etwas passiert, was ich am Montag von einer Schülerin eines niedersächsischen Gymnasiums erfahren musste, die an ihrer Facharbeit sitzt: Außer dem gedruckten Buch und der Warnung vor der Wikipedia lernen unsere Schüler offenbar nicht viel über Informationsbeschaffung in Zeiten des Internets. Gut, sie nutzen ihre Schulbibliothek (wäre mal eine spannende Frage, wie diese ausgestattet sind, vielleicht gibt es dazu sogar Untersuchungen) und sie nutzen auch unsere Institutsbibliothek. Wunderbar. Aber dass es auch im Netz Forschungsergebnisse zu lesen gibt, dass es Digizeitschriften gibt, digi20, HSozkult und dergleichen mehr – davon erfahren sie offenbar gar nichts. Vielleicht ist es nur ein Einzelfall, aber ich habe starke Bedenken, dass dem so ist.
Wenn wir es mit der Medienkompetenz wirklich ernst nehmen, müssen wir die digitalen Naiven endlich an die Hand nehmen und sie in die wunderbare Welt des Wissens und der Informationen einführen, anstatt sie andauernd davor zu warnen – und gleichzeitig bereit sein, mit ihnen zusammen diese Welt neu zu erkunden.
Irgendwie muss ich gerade dabei an einen Aufsatz eines Helmut Kentler denken, der Anfang der 1970er Jahre in unserer Schülerzeitung abgedruckt wurde und einen Aufschrei der Entrüstung seitens der Lehrer auslöste. Es ging um eine steife, technische Sexualerziehung (wobei ich mich nicht daran erinnern kann, dass wir eine solche jemals erfahren haben), die mit dem Motto „Von Lust ist nicht die Rede“ kommentiert wurde. So ähnlich könnte man unser ganzes Medienkompetenzgerede auch beschreiben: Von Lust oder vielleicht besser Freude und intellektuellen Spaß am Internet und an neuen Medien ist nie die Rede. Warum eigentlich nicht?

Und warum lassen wir es zu, dass unsere Schüler und Studenten gerade zu vor vollen Tellern intellektuell verhungern. Warum?

 

Neue Medien und neue Technologien in der Lehrerbildung 19. Dezember 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 07:38

iPad-Klassen einerseits, Lehrende mit tiefsitzender Furcht vor sozialen Medien und der Wikipedia andererseits; Literaturrecherche via JSTOR einerseits, Panikattacken beim Anblick von Studierenden, die einen aufgeklappten Laptop vor sich haben, andererseits. Der Einsatz neuer Medien und Technologien im universitären wie im schulischen Umfeld ist derzeit von starken Gegensätzen geprägt.
Zwar müssen Studierende schon jetzt in praktisch allen Fächern mit eLearning-Elementen arbeiten, insbesondere mit Stud.IP und OPACS, aber diese digitalen Elemente bilden weiterhin eher eine Ergänzung, keine wirkliche Erweiterung der Nutzung neuer Medien und Technologien dar. Dies gilt erst recht für die Arbeit mit Bildern oder Videos.
Diese Zurückhaltung sowohl der Lehrenden wie der Studierenden liegt allerdings – so meine These – nicht allein an der technischen Rückständigkeit oder einer weit verbreiteten Verweigerungshaltung der Lehrenden, sondern auch an gleichsam objektiven Faktoren. Zu diesen ist vor allem zu rechnen, dass neue Medien (hier vereinfacht formuliert) eine Fülle von Herausforderungen beinhalten, die zum einen zusätzliche Kenntnisse und Techniken seitens Lehrender wie Lernenden verlangen, aber auch zudem zeitintensiv sind. E-Learning ist kein schnelles Lernen, sondern ein langsames, zumindest in der Übergangsphase zwischen analogem und digitalen Lernen, in der wir uns gerade befinden.
Arbeiten mit neuen Medien und Technologien bedeutet eben nicht nur, fallweise einen Rechner oder ein Programm einzusetzen, sondern sich auf eine neue Form des Arbeitens einzulassen. Das heißt auch, sich ebenfalls der technologischen Herausforderung zu stellen – und zwar dauerhaft.
Gerade deshalb ist es notwendig, dass Studierende schon während ihres Studiums neue Medien integrativ nutzen, d.h. nicht additiv zur traditionalen, analogen Lehre, sondern als ein selbstverständliches Element erfahren und nutzen lernen. Es geht darum, eine neue Lehr- und Lernhaltung zu entwickeln, die auf der intellektuellen Neugier für neue Medien und für neue Technologien aufbaut. Hierzu muss es vielleicht gar nicht gehören, dass jeder/jede Videos analysieren kann, aber es muss dazu gehören, Computer und deren Software systematisch und für die jeweiligen Zwecke angemessen einsetzen zu können, sei es für die eigene Recherche, das eigene Schreiben oder das Lehren. Das alles muss auf einem wissenschaftlichen Niveau in der Universität stattfinden.
Erst dann sind Absolventen in der Lage, sich auch in anderen Kontexten wie der Schule sich in einer digitalen Umwelt (was sowohl die Nutzung des Internets, von Videos als auch die Verwendung angemessener Hard- wie Software betrifft) zu bewegen.
Zur Erreichung dieses Ziels wäre es zumindest anzustreben, in exemplarischen Seminaren systematisch neue Medien und Technologien einzusetzen, analog zu iPad-Klassen an den Schulen, um nicht nur Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln, sondern auch die Vorteile dieser Technologien für alle Beteiligten zu demonstrieren. Dann muss aber der Übergang in die reguläre Lehre erfolgen.

 

Erinnerungen an die Zukunft 28. Oktober 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 23:02

In Wissenschaft trifft Laienforschung habe ich heute ein paar Überlegungen angestellt, die sicher noch nicht zu Ende gedacht sind, aber für mich vor allem mit der Frage verbunden sind: Was machen wir eigentlich mit unseren Möglichkeiten?
Hier der Link: http://wissenschafttrifftlaienforschung.blogspot.de/2013/10/erinnerungen-die-zukunft.html

 

Wie ich arbeite 13. Oktober 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 15:05

Angeregt durch den letzten Beitrag habe ich einmal überlegt, wie ich eigentlich arbeite. Ich beginne mit meinem Ziel: Möglichst alles, was ich mache, soll digital abgebildet werden, also möglichst kein Papier nutzen oder produzieren. Angefangen hat es damit, dass ich für Studienkommissionssitzungen immer große Papierstapel mit Ordnungen ausgedruckt habe, um dann am Ende festzustellen, dass das meiste Papier umsonst bedruckt worden war. Also warum dann nicht die Dateien mit dem Laptop mitnehmen, Anmerkungen und Korrekturen direkt vornehmen und das viele Papier sparen? Damals, so vor sechs, sieben Jahren habe ich schon mal eine Windows-Version von Evernote genutzt, die noch keine Cloud-Anbindung hatte, aber sogar eine bessere Möglichkeit bot, zu einer Sitzung Kommentare und Dokumente miteinander zu verbinden. 2007 wurde ich dann Mac-User und musste wechseln. Ein vergleichsweises Programm war damals übrigens Journler, das nicht mehr weiter entwickelt wird. Als dann die Mac Version von EN heraus kam, wechselte ich wieder zu diesem Programm, weil ich jetzt mit allen meinen Rechnern Daten synchronisieren kann. Wenn man übrigens die Funktionalität betrachtet, dann steckt EN noch immer deutlich hinter OneNote zurück, für das es aber keinen Mac Client gibt. EN ist im Vergleich einfacher, aber besser nutzbar aufgebaut.

EN macht besonders mit einem Tablet viel Spaß, wobei die iOS Version die beste ist – und für mich ein wichtiger Grund, ein iPad statt es eines Android Tablets (ein solches habe ich allerdings auch) oder eines Windows-Tablets zu nutzen.

EN nutze ich mittlerweile für fast alles. Auch für das Sammeln von Informationen, die nicht in einer Literaturverwaltung übernommen werden sollen. Ich lese mit dem ipad viele Online-Zeitungen und Blogbeiträge. Über die Readerfunktion von Safari habe ich einen gut lesbaren Text (analog zu Clearly), den ich als Email an meinen EN Account senden kann.
Als Literaturverwaltungsprogramm nutze ich übrigens Zotero, für das es auch einen Ipad Client gibt (Zotpad).

Der Hauptgrund, weshalb ich mein erstes Tablet angeschafft habe, war das in meinen Augen unergonomische Lesen von Büchern und längeren PDF Dateien wie Hausarbeiten oder Masterarbeiten am Rechner. Ich hatte lange Zeit auf e-ink Reader gesetzt. Aber vor ca. vier Jahren waren die nicht dafür geeignet – und sind es bis heute nicht. Das iPad war damals eine Offenbarung und ich habe trotz diverser Versuche nichts Besseres gefunden. Das gilt besonders auch für die Apps. Faszinierend übrigens, wie schnell die Apps für das iPad (ich meine jetzt die erste Version) optimiert wurden. Zunächst war es eine Qual, längere PDF Dateien zu lesen, weil jeder Seitenwechsel quälend langsam war. Bei gleicher Hardware wurde die Anzeigegeschwindigkeit immer besser. Inzwischen nutze ich neben reinen pdf Programmen wie iAnnotate besonders gern solche wie Notability, weil sie handschriftliche Markierungen und Notizen noch besser unterstützen. Gerade Programme wie Notability oder Notshelf habe ich für Android nicht finden können, die dortigen Angebote sind in meinem Augen deutlich schlechter. Das ist deshalb schade, weil gerade Samsung mit seinen Note-Rechnern eine faszinierende Stiftbedienung ermöglicht. Aber eben nur für die eigenen Programme. So behelfe ich mich weiter mit den unförmigen, aber gar nicht mal so schlechten Stiften für das ipad.

Wie man sieht, hat sich das Tablet für mich zu einer Schaltzentrale meines digitalen Lebens entwickelt. Hinzu kommt die in meinen Augen ziemlich gute Kamera des ipad Mini (auf dem ich diesen Text auch schreibe), so dass ich damit schnell analoge Texte oder Quellen abfotografieren und weiter verwenden kann.

Der normale Rechner ist immer mehr nur für die großen Schreibaufgaben zuständig. Aber auch hier ändert sich gerade etwas. Das Tablet hat mir gezeigt, dass die so umfangreich formatierten Texte nur selten notwendig sind, reine Schreibprogramme wie iAWriter oder Free oder Drafts, mit dem dieser Text geschrieben wird, reichen fast immer aus, vor allem wenn sie Markdown unterstützen. Mit Ausnahme des sehr guten Programms WriteMonkey, das es leider nur für Windows gibt, gefallen mit die Tablet-Editoren sogar besser als die für den Mac oder Pc. Gerade Drafts bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Dieser Text kann etwa schnell nach EN exportiert werden. Würde ich Markdown hier nutzen, dann sogar gleich fertig formatiert. Jetzt fehlt noch eine gut nutzbare Fußnotenfunktion und für meine Aufgaben ist der klassische Rechner fast überflüssig. Was eigentlich schade ist
Demnächst dann ein paar Überlegungen zur Nutzung von Rechnern in der Lehre.

 

Lernen mit neuen Medien – ein Kommentar 12. Oktober 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 04:29

In Edushift (http://www.edushift.de/2012/10/28/medien-im-unterricht/) ist ein interessanter Artikel über Medieneinsatz im Unterricht erschienen. Dazu hier ein paar Anmerkungen aus der Perspektive der Hochschule und mittlerweile fast 15jähriger Erfahrung mit Seminaren zu diesem Thema. Ich greife dabei einfach einige der im Artikel und in den Kommentaren erwähnten Punkte auf.

Zunächst der Hinweis in einem Kommentar, dass es auf die Einstellung der Lehrenden ankommt. Ich glaube, dass dieser Punkt immer noch stark unterschätzt wird. Mein Eindruck ist, dass noch zu sehr die Arbeit mit neuen Medien additiv und „linear“ gesehen wird. Früher reichte es vielleicht aus, einen Kurs zum Arbeiten mit DOS oder mit Word zu machen, heute ist das nicht mehr hinreichend. Ein Lehrer, der wirklich effektiv und variabel (dazu unten mehr) mit Medien arbeiten will, muss mehr können, muss offen für immer neue Entwicklungen sein und darf nicht hoffen, dass er jetzt alles Notwendige beherrscht. Neue Medien sind halt hochdynamisch. Also ohne eigene Begeisterung oder zumindest Offenheit für das Thema, ohne Freude am Experimentieren wird da nicht viel gehen. Ob Fortbildungen da weiter helfen? Vielleicht eher das Lesen und ggf. Kommentieren von Blogbeiträgen oder der systematische Informationsaustausch mit anderen.

Dann habe ich mich beim Lesen des Artikels gefragt, ob denn heterogene Ausstattungen so schlecht sind. Es wird ja immer von Ausgrenzung schnell die Rede sein, wenn nicht alle in der Klasse ein iPad nutzen können. Aber muss das so sein? Das iPad (das ich auch bevorzugen würde) ist doch nur Mittel zum Zweck. Warum nicht unterschiedliche Medien einsetzen, um eine Aufgabe zu lösen, ein Klassenziel zu erreichen? Warum nicht zwei Schüler an ein Gerät gemeinsam setzen? Vielleicht wird hier immer noch im Sinne von geschlossenen Klassen gedacht im Sinne der alten Computerräume. Aber einen Wikipedia-Artikel kann ich mit jedem Internet fähigen Gerät lesen und anderen diskutieren, dafür brauche ich keine reine iPad-Klasse. Zumindest sollte man vielleicht einmal stärker in diese Richtung denken und experimentieren. Noch was: Lehrer verdienen nicht wenig und die Anschaffung und Nutzung eines Android-Tablets und eines iPads sollte weder die finanziellen noch die intellektuellen Fähigkeiten von Lehrern (dies ist geschlechtsneutral gemeint, wobei ich den Eindruck habe, dass Frauen hier aktiver sein können als Männer) überfordern.

Dann noch die technische Ausstattung. Ich sehe die Sache eher von außen, wobei ich einige Lehrer kenne und immer mit unseren jungen Studierenden bzw. Schülern spreche. Lehrkräfte sollten ihre Geräte auch selbst administrieren können, sei es das Notebook oder das Tablet, und Lehrerräume fände ich toll, auch in der Uni für Seminare. Wo aber die Sache im Argen liegt, dürfte die technische Ausstattung der gesamten Schule sein, sei es das WLAN oder Server (wobei zumindest in Niedersachsen die Schulen mit iServ schon eine bessere Lösung haben als die Unis). D.h. die technische Gesamtausstattung sollte eher von Profis gemanagt werden, bei weitgehender Freiheit in der Auswahl und Nutzung der Geräte.

Und dann noch Microsoft. MS Office steht ja immer noch hoch im Kurs und mir ist immer noch nicht klar, weshalb. Unsere jungen Studierenden, also die Schulabsolventen, können nicht ansatzweise das Potential von Word ausschöpfen (sie kennen es noch nicht einmal). Freie Alternativen kennen sie meist gar nicht – lernen sie erst bei mir kennen (klingt arrogant, aber ich bin immer noch der einzige Hochschullehrer bei uns, der so etwas seit Jahren macht, dazu kommen dann ab und an jüngere Kollegen wie Axel oder Philipp, aber das sind immer noch die Ausnahmen!). Brauchen wir aber wirklich noch diese fetten Brocken? Brauchen wir nicht vielmehr „leichte“ Softwarelösungen wie Evernote oder Editoren, die Markdown beherrschen – und gut ist. Dazu sollte Bild- und Videobearbeitung kommen, was oft vergessen wird, aber von großer Bedeutung sein sollte in multimedialen Zeiten. 
Also: Office-Programme abschaffen und nach einfachen, schnellen und synchronisierbaren Lösungen Ausschau halten und sie aktiv nutzen. In den diversen Blogs wird ja auch nicht umsonst immer wieder der Einsatz von Evernote empfohlen, das problemlos mit allen Geräten verwendbar ist.

So und jetzt mache ich weiter Urlaub.
  

 

Langsames Medium 22. September 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 09:48

In einer Lehramtsprüfung vor ein paar Tagen haben wir über McLuhans Unterscheidung „heißer“ und „kalter“ Medien gesprochen. Im weiteren Verlauf der Prüfung wurde mir klar, dass das Internet vor allem, zumindest in diesem Kontext, ein „langsames“ Medium ist. Diese Wertung dürfte überraschen, denn die meisten sehen im Internet ja genau das Gegenteil. Ich möchte deshalb meine Interpretation kurz verdeutlichen:

In einem normalen Schulbuch gibt es schön aufbereitete Texte, Bilder und schriftliche Quellen. Sie sind auf das didaktisch notwendige Maß reduziert und erfüllen meist eine eindeutige Funktion (so würde ich das zumindest als Nicht-Lehrer sehen). Das Internet liefert dagegen nicht nur unterschiedliche Quellen, sondern auch in voller Länge. Also: Statt der Schlagzeile einer Zeitung zum Kriegsausbruch nun die gesamte Zeitung (inklusive weiterer Artikel, Werbung, dem Fortsetzungsroman, Anzeigen), statt einer sorgfältig heraus gesuchten Kriegspostkarte eine ganze Serie (inklusive der Leseprobleme), statt eines Auszugs aus einer zeitgenössischen Darstellung nun die gesamte Darstellung usw.

Das bedeutet zunächst, dass die Schüler (beiderlei Geschlechts) nicht mehr reduzierte „Kost“ erhalten, sondern komplette Quellen in all ihrer Vielschichtigkeit. Das erschwert die Interpretation allerdings, denn jede Quelle benötigt eine eigenständige Form der Erschließung, sie wandelt sich dann zugleich von einem Argument hin zu einer eigenständigen Erkenntnismöglichkeit. Das alles, und das scheint mir bei vielen didaktischen Konzepten zu wenig beachtet zu sein, kostet schlicht und ergreifend Zeit! Zeit, die Schüler (beiderlei Geschlechts) nicht mehr haben, weil der Lehrplan voll und die Anforderungen hoch sind. Was dann bleibt, ist das schnelle Abarbeiten von Stationen, die vermutlich selten zu wirklichem Verstehen und Erkennen führen.
Die Informationen können wir jetzt allerdings schnell erhalten und ohne uns aus der Schule (oder der Hochschule) bewegen zu müssen, aber das, was wir dann mit diesen Informationen anstellen, benötigt Zeit, sehr viel Zeit.

Wenn wir deshalb das Netz in den Schulen ernst nehmen wollen, dann müssen wir eine andere Lernkultur und neue Erwartungshaltungen an die Schüler definieren. Das „Abarbeiten“ von Epochen – und dann noch in chronologischer Reihenfolge – erscheint vor diesem Hintergrund eher ein zeitraubender Umweg, überflüssig. Wenn wir die Komplexität der Quellen in den Unterricht holen, dann müssen wir den Schülern (…) auch die Zeit geben, sich diese zu erschließen.

Wenn man jetzt weiter denken würde, ergibt sich ein viel weitergehendes Problem, das die Geschichtswissenschaft direkt trifft. Wenn nämlich viele Quellen im Netz frei verfügbar sind, stehen sie im Gegensatz zu früheren Zeiten jedem offen. Zwar gibt es noch die exklusiven Orte des Archivs, die ohne Spezialwissen und Zeit kaum angemessen erschlossen werden können (und die Archive wehren sich bislang erfolgreich gegen eine digitale Öffnung), aber alle anderen Quellen historischer Erkenntnis liegen immer offener allen Interessierten vor: fast die gesamte ältere Literatur ist digitalisiert, Tageszeitungen werden in immer größerer Zahl ins Netz gestellt usw.
Damit ist unser Konzept wissenschaftlicher Arbeitsteilung – die Wissenschaftler als exklusive Gruppe haben allein Zugang zu den Quellen und der Forschungsliteratur und generieren daraus Bücher und damit gesellschaftlich wirksame Geschichtsbilder – die Laien haben diese Zugang nicht und nutzen lediglich die Bücher – eigentlich immer mehr hinfällig. Jetzt kann jeder, wie es Braudel schon vor 70 Jahren vorschwebte, immer mehr direkt auf die ursprünglichen Informationen zurück greifen und anhand dieser seine eigenen Geschichtsbilder formulieren.
Was bedeutet das dann aber für die Wissenschaft, und was für die Lehre? Wir müßten eigentlich zutiefst verunsichert sein, oder sind wir das in Wirklichkeit schon längst? 

 

 
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