digitaler widerstand

geschichtswissenschaft aus hannover

Wo stehen sie? 27. April 2011

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 07:35

Lieber Axel,

du schreibst, wir sollen die Studierenden da abholen „wo sie stehen“. Ja, aber, wo stehen sie denn, muss ich da doch fragen? Verwirren wir nicht viele von den jungen Studierenden, indem wir bloggen, Stud.Ip zu mehr nutzen als zum Einstellen von Texten (natürlich alles legal), von ihnen erwarten, dass sie sich kritisch mit der Wikipedia auseinander setzen – und zugleich ein Wiki nutzen können; muten wir ihnen zu viel zu, wenn wir davon ausgehen, dass sie sich in der Cloud zurecht finden und darüber nicht die Formatvorlagen von Word vergessen (wobei mir die mit Lyx geschriebenen Texte am liebsten sind)? Oder überholen sie uns gerade, wenn sie, während wir noch über Texte sprechen, schon Filme produzieren?
Ich bin, ich gesteh’s, verwirrt, auf der einen Seite die jungen Wilden, die jeden Hinweis aufnehmen, auf ihre Art umsetzen und uns faszinieren, und die vielen, die offenbar darauf warten, dass ihnen die Uni richtiges wissenschaftliches Arbeiten beibringt, oder anders, den Habitus der bedeutsamen, wichtigen Geisteswissenschaftler, der sich doch irgendwie etwas darauf zugute hält, nicht verstanden zu werden. Oder verstehe ich da manches nicht? Aber der Elan der jungen Wilden macht Freude, mehr als in den Jahren zuvor, es ist ein frischer Wind, der in den Seminaren weht.
Und überhaupt: was ist die Revolution?

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One Response to “Wo stehen sie?”

  1. Julian Says:

    Wo stehen wir?

    Sehr geehrter Herr Schneider, sehr geehrter Herr Becker,

    ich möchte ehrlich sein: auch für mich, als regelmäßigen Blog-Leser und Befürworter der „digitalen Revolution“ ist es noch immer recht ungewöhnlich, die eigenen Dozenten bloggen zu sehen. Es mag einfach nicht so recht in das Sozioklischee passen, welches Studierende von ihren Lehrkräften haben.
    Umso schöner ist es doch, wenn (ausgerechnet) zwei Geschichtswissenschaftler „digitalen Widerstand“ leisten – zumal dieser schon jetzt sehr interessant ist und wirklich unterhaltsam zu werden verspricht.

    Das eigentlich Schöne an solchen Blogs ist ja, dass man auch als Leser und vollkommen ungefragt seine Kommentare abgeben kann. Und wenn dann die Unterhaltung auf die Frage hinausläuft, wo die Studenten denn stehen, fühlt man sich doch aufgerufen, ebenfalls zur Diskussion beizutragen.

    Fühle ich mich also überfordert, wenn meine Dozenten mit digitalen Medien umgehen können, sie auch für die Lehre zu nutzen wissen und auch von mir als Studenten die Arbeit damit verlangen? Nun, ungewöhnlich ist es schon – gerade im Historischen Seminar.
    Jedes neue Medium benötigt Einarbeitungszeit, auch für uns „digital Natives“. Wenn ich mir in jedem Seminar solcherlei neue Arbeitstechniken beibringen müsste, wäre das Studium in der derzeitigen Form nicht durchführbar. Aber das ist ja (glücklicherweise?) derzeit nicht der Fall.

    Sicherlich: Die Ergebnisse, die beispielsweise das Seminar „Digitale Revolution“ hervorgebracht hat, sind beeindruckend. Sie alleine müssten eigentlich schon vom digitalen Wandel in der universitären Lehre überzeugen.
    Und doch ist man als Student ein wenig gespalten. Zum einen freut man sich natürlich über den Erfolg und die verdiente Aufmerksamkeit, die die Kommilitonen mit solchen Projekten bekommen. Aber es bleibt auch die Befürchtung, dass die Dozenten so etwas in Zukunft als Standart ansehen könnten. So etwas zu leisten ist jedoch für uns Studenten nur im Ausnahmefall möglich.

    Jeder, der schon einmal an einem Film für ein Referat mitgearbeitet hat, kann sich vorstellen, wie viel Arbeit so etwas macht – erst recht bei der hohen Qualität.
    Trotz aller Euphorie darf jedoch nicht vergessen werden: Auch eine – in der Präsentation einfache – schriftliche Hausarbeit kann ebenso viel Mühe kosten. Es ist zu hoffen, dass dies auch in Zukunft bei „filmverwöhnten“ Dozenten nicht in Vergessenheit gerät. Angelehnt an Jochen Wegners Thesen zur Zukunft der Medien (http://www.wasmitmedien.de/2010/10/16/23-thesen-zur-zukunft-der-medien-von-jochen-wegner/) könnte man sagen: Studentische Qualität ist keine Frage des Substrats.

    Das größte Problem ist nun vermutlich, dass diese Worte genau die erreichen, bei denen Befürchtungen dieser Art am wenigsten Angebracht sind. Bleibt die Hoffnung, dass sich einige der Lehrkräfte an der LUH ein Beispiel an ihren bloggenden Kollegen nehmen.

    Dennoch sei auch Kritik erlaubt:
    Ich bin ein „digital Native“ und halte als solcher die Arbeit mit Wikis und anderen digitalen Medien für sinnvoll und zukunftsorientiert. Ich bin allerdings nicht sicher, ob die doktrinäre Art und Weise, wie diese hier propagiert wird, für kritische Zeitgenossen nicht eher abschreckend ist. Und die gibt es sowohl im Bereich der Dozenten wie auch der Studierenden.

    Ein digitaler ,Widerstand‘ kann jedoch – gerade an der Universität Hannover – nur nützen. Denn dort liegt noch einiges im Argen, was die Ausnutzung der digitalen Möglichkeiten angeht.
    Wieso kann ich mich beispielsweise fast komplett online immatrikulieren, für einen einzigen Modulschein in Geschichte muss ich aber noch auf drei unterschiedlichen Papieren Unterschriften der Dozenten und Stempel der Institutionen holen?

    Ich für meinen Teil freue mich auf weitere interessante Schriftwechsel der beiden Blogger. Und vielleicht gewöhne ich mich dann auch irgendwann daran, dass diese auch Dozenten sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    Julian


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