digitaler widerstand

geschichtswissenschaft aus hannover

Ich bin es leid 19. September 2011

Filed under: Uncategorized — AB @ 11:50

Lieber Karl,

es reicht, ich bin es leid!

Ich bin es leid, dass mir Menschen erzählen, das große böse Internet (im folgenden nur GBI genannt) sei ein Chaos. Ich bin es leid, dass sie behaupten, man könne dort nie das finden, was man suche. Ich bin es leid, dass sie voller Inbrunst behaupten, in sozialen Netzwerken würde man lediglich darüber informiert, wer wann was zum Frühstück gegessen habe. Und am gehörigsten bin ich es leid, dass sie artikulieren (und dies wirklich zu glauben scheinen), dass digitale Medien in der Schule und Universität nicht gewinnbringend eingesetzt werden können. Du kennst die verschlafenen Argumente ja auch. Angeblich werde viel weniger gelesen. Ein Vorwurf in seiner Struktur so borniert, dass sich eine weitere Beschäftigung an dieser Stelle gar nicht lohnt. Vor ein paar Wochen reichte ich einen Aufsatz für eine geschichtsdidaktische Zeitung ein. Ich diskutierte darin die Möglichkeiten eines digitalen Schulbuchs, behauptete auch, dies sei für deutsche Schüler ein „ferner Traum“, da die Schulbuchverlage keine großen Anstrengungen zeigen, ein eSchulbuch auf den Markt zu bringen. Die obligatorische Peer-Review hat mein Text freilich nicht überstanden. Ein Gutachter bemängelte, es fehle schließlich an empirischen belegen für die These, dass Schüler tatsächlich von einem digitalen Schulbuch träumten. Empirische Belege legte ich dafür freilich auch nicht vor. Für den Kritisierenden scheint die Vorstellung eines Schulbuchs auf Tablets auch eher ein Albtraum zu sein. Dabei könnten sie mehr Tiefe und Struktur vermitteln als Papier je imstande wäre.

Mein Traum handelt in der Tat auch weniger von Schulbüchern. Ich wünsche mir, dass die Möglichkeiten digitaler Lernmedien wenigstens ernsthaft diskutiert werden können. Das scheint dir vielleicht übertrieben? Ist es nicht. Ernsthaft diskutieren kann man nur die Gefahren des GBI. Was es anrichtet und wie schlimm das alles ist. Ich bin es leid diese Bedenken zu entkräften. Statt Bedenken möchte ich ab sofort nur noch kreative Ideen und Gedanken tragen. Die Diskussion um „Bücher statt Websites“ hat mit wissenschaftlicher Auseinandersetzung wenig zu tun, verkommen zu einem Streit von Ideologien, immun gegen fairen Gedankenaustausch.

Das ist nur so ein Gefühl.  Ein digitales Hochgefühl.

Liebe Grüße

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