digitaler widerstand

geschichtswissenschaft aus hannover

Kompetenz statt Hexerei 27. September 2011

Filed under: eCompetence — Philipp "ChaosPhoenix" Nordmeyer @ 07:58

Lieber Karl, lieber Axel,

wenn Blogleserinnen Fragen über Datenschutz stellen, Kollegen ratlos sind, ob sie ein Bild verwenden dürfen und Studenten außer Google kaum sinnvolle Recherchestationen kennen, dann weißt das auf einen Missstand hin. Wir reden immer vom Netz der Möglichkeiten und dem Gewinn den es der Geschichtswissenschaft bringt. Selbst skeptische Kollegen zeigen zeitweise gewissen Enthusiasmus, nur um dann enttäuscht wieder von dannen zu ziehen. Aber das Internet ist keine Wunderlampe. Zwar geschieht auch hier oft nichts ohne Reibung, aber Ergebnisse werden nicht gezaubert. Das World Wide Web kann ein wertvolles Werkzeug sein, aber es ist eben nur das und kein Dschinn, der die Arbeit erledigt. Niemand würde sich vor einen Hammer stellen und ihm befehlen:“Bau mir ein Schwert, von dem die Welt zu reden hat!“ Oder glauben, dass er sich in ein Flugzeug setzt und es sofort selbst fliegen kann. Diese Erwartungshaltung scheint aber vielen wissenschaftlichen Nutzern des Netzes gegeben zu sein. Vermischt sie sich dann mit Vorurteilen, Ängsten und mangelndem technischem Wissen, ist das instabile Halbwissen komplett. Instabil deshalb, weil es mit dem was darauf aufgebaut ist oft zusammenbricht, es ist leicht entflammbar und entlädt sich nicht selten explosiv.

Im Gegensatz dazu stehen oft die Kuratoren und Dozenten, die einen Raum mit leuchtenden Augen verlassen nachdem ihnen gezeigt wurde, was alles möglich ist. Das zeigt doch, die Probleme liegen nicht nur im Medium selbst, sondern im Wissen und Umgang mit ihm. Spricht man bei Texten von Literalität, sprechen manche beim elektronischen Gegenpart von eLiteracy. Das Internet ist aber mehr als die Arbeit mit Texten und anderen Quellen. Ist eine Website nach gleichen Bedingungen zu betrachten, wie ein Text? Kann der Quellcode selbst eine Quelle sein? Aber auch darüber gehen die Möglichkeiten hinaus. Das Netz bietet Möglichkeiten zum erarbeiten und zum teilen von Ergebnissen. Computergestütztes Arbeiten ermöglicht Informationen zu taggen und zu vernetzen damit auf neuartige Weise ein asymmetrischer  oder chaotischer Zettelkatalog entsteht mit dem neues Zusammenhänge sichtbar werden. Alles in allem geht es darum eine Kompetenz mit dem Medium Internet auszubilden.

Ich möchte den Arbeitsbereich eCompetence gründen. Es ist ein großer Bereich und muss deshalb in einzelne Teilbereiche aufgebrochen werden, auch wenn diese nicht immer scharf zu trennen sind. Zum einen geht es um elektronische Arbeitsmethoden, also dem Bearbeiten von Texten, Präsentieren von Informationen, eLearning und der online Kollaboration. Zum anderen den großen Bereich Informationsmanagement worunter informationstheoretische Dinge fallen, wie Wissen verarbeitet und verwaltet wird, wie unser Gedächtnis sich erinnert und vergisst. Der zur Zeit letzte Bereich ist eLiteracy, der die Medienkompetenz mit dem Internet umfasst. Dort geht es unter anderem auch um Urheberrecht, die Funktion des Internets und Datenschutz.

Das ist alles nur kurz umrissen und noch nicht ausgegoren. Viele Bereiche bedingen sich. Der Bereich Urheberrecht spielt bei fast allen Anwendungsmöglichkeiten des Internets eine Rolle. eCompetence ist ein weites Feld, zu unscharf, zu allumfassend, könnte man kritisieren. Aber das elektronische Arbeiten erfordert einen ganz neuen Satz von Schlüsselqualifikationen. Nur so wird es möglich, dass wir am Computer genauso sorgfältig arbeiten können, wie mit einem Blatt Papier. Aber es geht mir nicht nur darum Standards zu wahren, sondern zu zeigen, dass es neue Möglichkeiten gibt Geschichte zu erfassen und weiterzugeben. Wenn es eine Chance gibt, dass Wissenschaft und Menschen von diesem Werkzeug profitieren, sollte es wert sein den Umgang damit zu lehren.

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2 Responses to “Kompetenz statt Hexerei”

  1. […] wollte aber noch mal auf die Möglichkeiten elektronischer Arbeitsmethoden hinweisen, wie in meinem Beitrag über eCompetence. Im den Podcast erfahrt ihr, wie man 5 Millionen Bücher liest und nebenbei […]

  2. martinlindner Says:

    ich lese gerade das eben erschienene buch „Net Smart“ von Howard Rheingold, das sich genau damit beschäftigt.


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