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geschichtswissenschaft aus hannover

Lernen mit neuen Medien – ein Kommentar 12. Oktober 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 04:29

In Edushift (http://www.edushift.de/2012/10/28/medien-im-unterricht/) ist ein interessanter Artikel über Medieneinsatz im Unterricht erschienen. Dazu hier ein paar Anmerkungen aus der Perspektive der Hochschule und mittlerweile fast 15jähriger Erfahrung mit Seminaren zu diesem Thema. Ich greife dabei einfach einige der im Artikel und in den Kommentaren erwähnten Punkte auf.

Zunächst der Hinweis in einem Kommentar, dass es auf die Einstellung der Lehrenden ankommt. Ich glaube, dass dieser Punkt immer noch stark unterschätzt wird. Mein Eindruck ist, dass noch zu sehr die Arbeit mit neuen Medien additiv und „linear“ gesehen wird. Früher reichte es vielleicht aus, einen Kurs zum Arbeiten mit DOS oder mit Word zu machen, heute ist das nicht mehr hinreichend. Ein Lehrer, der wirklich effektiv und variabel (dazu unten mehr) mit Medien arbeiten will, muss mehr können, muss offen für immer neue Entwicklungen sein und darf nicht hoffen, dass er jetzt alles Notwendige beherrscht. Neue Medien sind halt hochdynamisch. Also ohne eigene Begeisterung oder zumindest Offenheit für das Thema, ohne Freude am Experimentieren wird da nicht viel gehen. Ob Fortbildungen da weiter helfen? Vielleicht eher das Lesen und ggf. Kommentieren von Blogbeiträgen oder der systematische Informationsaustausch mit anderen.

Dann habe ich mich beim Lesen des Artikels gefragt, ob denn heterogene Ausstattungen so schlecht sind. Es wird ja immer von Ausgrenzung schnell die Rede sein, wenn nicht alle in der Klasse ein iPad nutzen können. Aber muss das so sein? Das iPad (das ich auch bevorzugen würde) ist doch nur Mittel zum Zweck. Warum nicht unterschiedliche Medien einsetzen, um eine Aufgabe zu lösen, ein Klassenziel zu erreichen? Warum nicht zwei Schüler an ein Gerät gemeinsam setzen? Vielleicht wird hier immer noch im Sinne von geschlossenen Klassen gedacht im Sinne der alten Computerräume. Aber einen Wikipedia-Artikel kann ich mit jedem Internet fähigen Gerät lesen und anderen diskutieren, dafür brauche ich keine reine iPad-Klasse. Zumindest sollte man vielleicht einmal stärker in diese Richtung denken und experimentieren. Noch was: Lehrer verdienen nicht wenig und die Anschaffung und Nutzung eines Android-Tablets und eines iPads sollte weder die finanziellen noch die intellektuellen Fähigkeiten von Lehrern (dies ist geschlechtsneutral gemeint, wobei ich den Eindruck habe, dass Frauen hier aktiver sein können als Männer) überfordern.

Dann noch die technische Ausstattung. Ich sehe die Sache eher von außen, wobei ich einige Lehrer kenne und immer mit unseren jungen Studierenden bzw. Schülern spreche. Lehrkräfte sollten ihre Geräte auch selbst administrieren können, sei es das Notebook oder das Tablet, und Lehrerräume fände ich toll, auch in der Uni für Seminare. Wo aber die Sache im Argen liegt, dürfte die technische Ausstattung der gesamten Schule sein, sei es das WLAN oder Server (wobei zumindest in Niedersachsen die Schulen mit iServ schon eine bessere Lösung haben als die Unis). D.h. die technische Gesamtausstattung sollte eher von Profis gemanagt werden, bei weitgehender Freiheit in der Auswahl und Nutzung der Geräte.

Und dann noch Microsoft. MS Office steht ja immer noch hoch im Kurs und mir ist immer noch nicht klar, weshalb. Unsere jungen Studierenden, also die Schulabsolventen, können nicht ansatzweise das Potential von Word ausschöpfen (sie kennen es noch nicht einmal). Freie Alternativen kennen sie meist gar nicht – lernen sie erst bei mir kennen (klingt arrogant, aber ich bin immer noch der einzige Hochschullehrer bei uns, der so etwas seit Jahren macht, dazu kommen dann ab und an jüngere Kollegen wie Axel oder Philipp, aber das sind immer noch die Ausnahmen!). Brauchen wir aber wirklich noch diese fetten Brocken? Brauchen wir nicht vielmehr „leichte“ Softwarelösungen wie Evernote oder Editoren, die Markdown beherrschen – und gut ist. Dazu sollte Bild- und Videobearbeitung kommen, was oft vergessen wird, aber von großer Bedeutung sein sollte in multimedialen Zeiten. 
Also: Office-Programme abschaffen und nach einfachen, schnellen und synchronisierbaren Lösungen Ausschau halten und sie aktiv nutzen. In den diversen Blogs wird ja auch nicht umsonst immer wieder der Einsatz von Evernote empfohlen, das problemlos mit allen Geräten verwendbar ist.

So und jetzt mache ich weiter Urlaub.
  

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One Response to “Lernen mit neuen Medien – ein Kommentar”

  1. schb Says:

    „Früher reichte es vielleicht aus, einen Kurs zum Arbeiten mit DOS oder mit Word zu machen, heute ist das nicht mehr hinreichend. „

    Ich glaube, dass hat auch früher nicht ausgereicht. Man hat nur gehofft, dass es reichen würde 🙂
    Die digitalen Medien sind weniger Tool als vielmehr eine Einstellung. Die Unterschiede wurden von Peter Kruse auf der #rp10 schön herausgearbeitet: http://www.youtube.com/watch?v=ryiuuUKQJy0


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