digitaler widerstand

geschichtswissenschaft aus hannover

Versenkt die Boote! 22. Juli 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 21:54

Daneil Cohen und Tom Scheinfeldt haben einen wunderschönen Sammelband heraus gegeben: 
Hacking the Academy: New Approaches to Scholarship and Teaching from Digital Humanities.
Es ist gerade erschienen und man kann es auch online lesen:
http://www.digitalculture.org/books/hacking-the-academy-new-approaches-to-scholarship-and-teaching-from-digital-humanities/

Es sind viele kurze Beiträge, die sich dem fundamentalen Wandel widmen, der sich im digitalen Zeitalter vollzieht, den wir aber in der Lehre und der Forschung immer noch weitgehend missachten. Es ist schon faszinierend: Der alte Traum der Wissenschaftler, direkten Zugang auf alles Wissen dieser Erde zu haben, ist noch nie so nahe dran gewesen, erfüllt zu werden. Und was machen wir: Finden alle möglichen Ausreden, um diese wunderbare neue Welt zu betreten. Ja, sie stellt uns vor neue Herausforderungen! Nicht mehr die Frage, ob man alles findet, was man sucht, sondern mit welchen Techniken wir der Fülle der komplexen Informationen Herr werden, ist die große Herausforderung. Aber bitte, nehmen wir sie an.
Die Autoren dieses schönen Bandes (ich habe ihn allerdings offline gelesen und er ist in meinem Evernote-Account erfasst. der mir jetzt auch gleich anzeigt, welche weiteren Einträge zu diesem hier noch passen) wählen sehr unterschiedliche Zugänge, stellen verschiedene Fragen, aber im Kern geht es immer um die tiefgreifenden Veränderungen durch das Digitale.
Dabei fällt dann auch das o.g. Zitat. Ich verrate aber nicht wo 😉
Die Beiträge werfen die Frage auf, ob wir mit unserer aktuellen Lehre wirklich auf dem richtigen Weg sind. Wir haben in den letzten Jahren die Präsenzlehre derart verschärft, dass gerade die Stärke der Digital Humanities, das Selbststudium, viel zu kurz kommt. Statt uns auf die Wissensvermittlung zu konzentrieren, sollten wir das Verständnis des Gelesenen vertiefen. Doch dazu sind vermutlich größere Seminare und erst recht Vorlesungen kaum geeignet. 

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Eben mehr als digitale Suche 4. Juli 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 20:09
Es ist manchmal schon eigenartig, wie Dinge und Ideen zusammen kommen. Heute Mittag habe ich mit einem Kollegen über Sinn und Nutzen neuer Medien gesprochen. Er vertrat die Ansicht, dass wir in erster Linie gute Fachausbildung betrieben müßten, nicht aber Medienkompetenz vermitteln sollen. Heute abend bin ich über Twitter auf das Buch von
T. Mills Kelly: Teaching History in the Digital Age. Ann Arbor, MI: University of Michigan Press, 2013,
„gestolpert“ und dort einer ganz anderen Wahrnehmung begegnet. Kelly vertritt explizit die These, dass das Arbeiten mit dem Internet weitreichenden Einfluss auf die Art des fachlichen Lernens habe, es also keine Trennung zwischen fachlichem und methodischem Arbeiten gibt, wie bei uns immer noch gern vermutet wird. Und ich musste sehr an das heutige Gespräch denken, als ich diesen Satz las:
„Moreover, I am convinced that the future of history teaching depends on our ability and willingness to accommodate ourselves to the rapidly accelerating, technology-driven cycle of change that is transforming the teaching, learning, research, and production of historical knowledge“.
(Beides Zitate aus der Introduction).
Lehrerbildung spielt bei uns übrigens immer noch eine herausragende Rolle und hier könnten wir offene, entdeckende Lernhaltungen einüben. Bislang sehe ich davon allerdings nicht viel.
Das Buch gibt es übrigens online:
 

Plagiate 24. Juni 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 21:03

In Scilogs wird ein besonderer Fall von Plagiat beschrieben; interessant ist aber auch die Diskussion dazu, denn sie wirft die Frage auf, ob es wirklich sinnvoll ist, neue Idee in Blogs zu veröffentlichen. Die Hoffnung, es ließe sich dadurch Ideenklau vermeiden, scheint aber eher zu trügen.

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/relativ-einfach/zweifelhaftes/2013-06-23/ideenklau-galaktisch

 

 

Wie Blogs auch sein können 17. Juni 2013

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 07:02

Gerade habe ich

http://stuetzendergesellschaft.wordpress.com/2013/06/15/von-der-urkatastrophe-zur-der-urpeinlichkeit-hohenzollernscher-fassaden/

gelesen, vor allem wegen des Themas, weil mich diese Schlossfassade in Mitte mehr irritiert als erfreut. Aber dann bin ich in der Diskussion gelandet und deren Lektüre hat nahezu mehr Gewinn gebracht als der Artikel selbst. Aha, denke ich, geht doch. Warum aber geht es nicht bei den Geschichtsblogs, die ich kenne und mehr oder weniger regelmäßig lese? Liegt es vielleicht gar nicht an den Blogs, sondern an den Bloggern? Woran liegt es, wenn die meisten Kommentarspalten eher leer bleiben oder wenn sie gefüllt sind, dann doch eher mit Peinlichkeiten? Weshalb mir die leeren eher gefallen … Vielleicht sind wir – noch? – nicht in der Lage, gute Diskussionen über das Netz zu führen? Fehlt uns die intellektuelle „Leichtigkeit“, müssen wir immer eher „draufhauen“, als das vorgegebene Thema weiter zu entfalten, zu drehen und zu wenden? Oder sind Blogs für ernsthafte wissenschaftliche Debattenanfänge gar nicht wirklich geeignet? Die Fragen, die mich jedenfalls derart berühren, stelle ich auch nicht (mehr) im Blog vor, die diskutiere ich in anderen, persönlichen, Zusammenhängen.

 

Die teilweise im Netz geführte Diskussion 13. Oktober 2012

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 16:41

über das wissenschaftliche Bloggen irritiert mich. Deshalb hier erneut einige Anmerkungen. Zunächst zum Begriff: Eigentlich meint ein Weblog doch nur ein im Netz veröffentlichtes Tagebuch einer Person. Genau genommen ist das schon ein Widerspruch in sich. Ein Tagebuch richtet sich normalerweise nicht an andere Personen, es dient der Selbstvergewisserung, nicht der Mitteilung. Deshalb ist es privat und nicht öffentlich. Ein Weblog ist aber öffentlich und dennoch kann er in dieser seltsamen Mischung aus privat und doch öffentlich bleiben. Ein Blog, auf den auch geantwortet werden kann, der also eine Kommentarfunktion hat, stellt insofern einen weiteren Bruch mit dem Tagebuch dar. Ein Weblog kann also nur begrenzt mit einem Tagebuch verglichen werden und hat dennoch weiterhin Eigenschaften eines solchen, kann es doch der Selbtvergewisserung dienen.

Zugleich ist ein Blog eine technische Möglichkeit, um ohne besonderen Aufwand eigene Texte im Netz zu veröffentlichen und sie bis zu einem gewissen Maße auch zu systematisieren. Das allein stellt gegenüber den vorherigen Zuständen eine erhebliche Verbesserung dar. Ich kann innerhalb weniger Minuten ein neues Blog anlegen und mich einer weiten Öffentlichkeit mitteilen.

Derzeit wird um den Nutzen von Blogs viel geschrieben und es werden Anforderungen formuliert. Zunächst aber lag der Nutzen eigentlich nur beim Autoren. Jeder schreibt für sich selbst. Ob andere davon etwas haben oder nicht, bleibt zweitrangig. Wissenschaftliches Schreiben verfolgt aber einen anderen Ansatz. Sie muss auf Wirkung bedacht sein (auch wenn die Zahl der Leser eines wissenschaftlichen Textes oft nur sehr gering ist), aber ohne diese Wirkung (es reicht, wenn nur wenige, aber wichtige Leute den Text lesen und rezipieren) verliert er gerade in Zeiten zunehmender Konkurrenz deutlich an Relevanz. Was derzeit meines Erachtens geschieht, besteht darin, den Blogs Relevanz zu geben. Sie müssen doch zu etwas nutze sein, und wenn sie nur als Schreibübung dienen sollen. Doch eigentlich gehen die Forderungen weiter. Hier soll – über die Kommentarfunktion etwa – kommuniziert werden, hier soll eine Verbindung von Wissenschaft und Laienwelt hergestellt werden (der Blick in die „Werkstatt“ des Wissenschaftlers etwa wird gern genannt). Aber das sind das wirklich noch Blogs?

Selbstzeugnisse sind schwierige Texte, sie erschließen sich nicht einfach, sondern setzen vom Leser normalerweise viel Kontextwissen, Sprachverständnis und Geduld voraus. Dem steht hier die Annahme gegenüber, Blogs seien eigentlich leichte Texte. Und wenn sie es nicht sind? Und wenn sie keinen Nutzen haben – und dennoch etwas bewirken?

Fragt sich, was die Gattung Blog oder zumindest die technische Lösung Blog im Kontext wissenschaftlicher Arbeit bedeuten kann. Um diese Frage zu beantworten, müssten wir eigentlich zunächst über den Stand der „regulären“ Wissenschaft nachdenken und diskutieren. Dann ließe sich auch besser formulieren, welche Rolle Blogs spielen können bzw. könnten. Sie aber ohne Reflexion additiv einer Praxis zuzuordnen, macht eigentlich keinen Sinn. Es sei denn, sie werden einfach in die Praxis integriert. Wäre auch eine denkbare Variante. Aber sie wäre eine vielleicht nur zweitbeste.
Denn dann würde auch die Frage nicht beantwortet werden, welche Innovationspotential in Blogs steckt, die sich den normativen Zwängen von Peer Reviews oder Förderrichtlinien entziehen. Also eine Form eigener Öffentlichkeit zu finden, die sich aber nicht nur über Formen, sondern auch über Inhalte austauscht. Dafür brauchen wir aber auch Autoren, die nicht nur die wissenschaftliche Karriere im Auge haben und sich auf neue Themen einlassen. Das wäre ein spannendes Thema.

 

Weshalb ich blogge 10. Oktober 2012

Filed under: Uncategorized — boerne4 @ 07:06

Weshalb ich doch blogge – ab und an.

Auf meinem Rechner liegen sicherlich so an fünf, sechs Beiträge, in denen ich begründe, warum ich nicht mehr blogge. Und jetzt tue ich es doch wieder und die gennnten Beiträge werden nicht einmal den Weg in dieses Blog finden. Warum auch? Und warum blogge ich ab und an? Eigentlich ist das ganz einfach: weil es Spaß macht. Es macht einfach Spaß, sich ab und an jenseits anderer Konventionen mitzuteilen. Einfach so. Ohne Hürden und ohne Regeln. Dadurch wird nichts besser und damit leiste ich auch keinen besonderen Beitrag zur Wissenschaft. Ich mache es für mich. Ich will nichts voran bringen, keine Diskurse führen oder andere hochnotwichtigen Dinge tun. Brauche ich nicht, will ich nicht. Ich tue es einfach, einfach so.
Das ist so wie mit dem Internet. Keine Ahnung, ob es wirklich etwas verbessert. Jedenfalls lehrt die Erfahrung, dass technische Neuerungen die Welt nicht besser machen, sie machen sie nur anders. Und sie gehören zu unserer menschlichen Gesellschaft dazu. Veränderung ist teil unserer Existenz. Aber besser? Wohl kaum. Im 19. Jahrhundert glaubten manche, durch die Eisenbahn würden in Zukunft Kriege verhindert werden, weil die Menschen sich so gut kennen lernen würden. Es ist anders gekommen, ganz anders.
Aber mich macht dieses andere froh: Ich brauche bald keine eigene Bibliothek mehr, keine Tausende von Büchern, die ich mit mir herum schleppen muss. Alles passt bald auf eine winzig-kleine Speicherkarte. Meine Bücher kann ich auf einem kleinen, leichten Gerät mit mir mitnehmen und sie noch darauf lesen. Ich finds wunderbar.
Das Netz bietet mir Freiheit. Und die möchte ich mir nicht nehmen lassen. Auch nicht von Mitmenschen, die meinen, ich müsse etwas so oder anders machen. Muss ich nicht. Wen das stört, sieht woanders hin. Mein Blog muss niemand lesen. Wirklich niemand. Und deshalb ist auch die Kommentarfunktion weitgehend ausgeschaltet. Ich mag das nicht. Wer es anders haben möchte, kann es doch gern machen.Und genug tun das auch. Finde ich gut. Nur ich mag das nicht. Vielleicht ändert sich das ja. Ich blogge auch wieder, obwohl ich das gar nicht mehr wollte.
Was ich aber seltsam finde: Da gibt es Kollegen, die behaupten, bloggen sei so wichtig für die Wissenschaft – was ich nicht so sehe. Aber wenn das Bloggen so wichtig ist, warum drucken sie dann ihre Texte über das Bloggen in Büchern ab, in richtigen, von einem Verlag herausgegebenen Büchern? Haben Sie vielleicht ganz andere Interessen? Egal, dürfen sie ruhig, aber ich mag nicht.

PS: Sollte eigentlich in digireg stehen, aber hier passt der Beitrag vielleicht besser hin.

 

Willkommen im 20. Jahrhundert 6. Februar 2012

Filed under: Arbeitsmethoden — boerne4 @ 08:47

Wir diskutieren über eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. Ein Newsletter soll diese Aufgabe übernehmen. Schön und gut. Wie wäre es aber auch mit einem Blog? Gegenfrage von (fast) allen: Ein Blog? Was ist ein Blog? Und: Lasst uns jetzt über den Newsletter sprechen, das ist wichtiger. Alles klar. Ich fand’s im 20. Jahrhundert ja auch lustiger.